Archiv der Kategorie: Elektronik

Defekter 2,92 mm (K) Steckverbinder, was nu?

Do not try this at home 🙂

Richtige HF-Steckverbinder, also alles ab 3,5 mm, sind ja so ‘ne Klasse fĂŒr sich. Man braucht sie nun mal, aber die meisten Menschen sind froh, wenn sie nichts damit zu tun haben mĂŒssen. WĂ€hrend man bei N oder gar PL schon “voll Gorilla” an den Stecker ran gehen muss, um irgendwas kaputt zu machen, reicht bei denen schon eine Kleinigkeit aus und alles ist im Eimer. Und genau davon handelt dieser Beitrag.

Ich habe gebraucht zwei Inmet 6 dB DÀmpfungsglieder gekauft. Leider kam die EnttÀuschung direkt nach Erhalt des Umschlags: Eines der Beiden war beschÀdigt (= im Eimer):

Der VerkĂ€ufer hielt die PrĂ€zisionsstecker fĂŒr SMA und hat, nehme ich mal an, diese auch mit SMA-Kabeln getestet. Ein schönes Beispiel, wieso niemals SMA-Stecker in 2,92 mm Stecker rein gehören! Wahrscheinlich war der Pin des Test-Kabels etwas lĂ€nger und hat die Kontaktfedern verbogen bzw. abgebrochen. So ein Mist! Die RĂŒckabwicklung mit dem sichtlich zerknirschten HĂ€ndler war kein Thema, aber nun hatte ich einen defekten AbschwĂ€cher, was also tun?

Das was man nie tun darf, oder soll: Am Stecker rum biegen! ZunĂ€chst aber eine Bestandsaufnahme. Transmission am VNA von 2-40 GHz, klar zu erkennen zwei ziemlich ĂŒble Resonanzen bei ~15 GHz und ĂŒber 30 GHz. Die ĂŒber 30 ist ja nicht so wild, aber 15 ist schon sehr Ă€rgerlich, zumal so eine Resonanz durch Fehlanpassung, je nach KabellĂ€nge, gerne auch nochmal etwas wandern kann.

Der augenscheinlich unbeschÀdigte AbschwÀcher sieht da erheblich besser aus. Der darf so in die Adapterbox.

Nachdem nun klar ist, dass der defekte AbschwĂ€cher so fĂŒr nix mehr zu gebrauchen ist, habe ich vorsichtig mit einem Zahnarzt-Werkzeug die verbogenen Kontaktfedern ganz langsam zurĂŒck gebogen, hier ist Fingerspitzen-GefĂŒhl gefragt.

Und tatsĂ€chlich, zumindest die Resonanz bei 12 GHz konnte ich reproduzierbar weg bekommen. Die Anpassung (leider nicht fotografiert 🙁 ) war auch wieder im Rahmen. Bei 30 GHz ist der Pegel bereits etwas abgefallen. Der Messaufbau war wie abgebildet: Port-Kabel -> 2,92 mm m-f-Adapter (“connctor-safer”) -> EUT -> f-f-Adapter -> Port-Kabel.

Klar ist: Das ist Pfusch allererster GĂŒte! Sowas macht man nicht!

Klar ist aber auch: Zumindest bis 26,5 GHz mĂŒsste man den AbschwĂ€cher so wieder gut einsetzen können. Ich werde wohl einen “connector-safer” mit etwas Loctite an den AbschwĂ€cher dran machen, dann ist die kritische Verbindung fest und mit fixem Drehmoment angezogen. FĂŒr Hobby-Niveau also durchaus nicht verloren. Letzten Endes war es aber eher ein Experiment, so richtig vertrauen mag ich dem AbschwĂ€cher immer noch nicht.

Rohde & Schwarz CMTA 84, die (fast) unendliche Geschichte

Eine Geschichte in fĂŒnf Akten

Hier mal ein Reparaturbericht, der wirklich die Redensart „was lange wĂ€hrt, wird endlich gut“ verkörpert. Vor einigen Jahren habe ich einen CMTA 84 aus einer Gitterbox gezerrt. Von dem GerĂ€t wusste ich, dass es defekt war und ich wusste, dass es vorher jahrelang bei einem Elektroniker auf dem Tisch herumstand und er es nicht wieder zum Laufen brachte. „Irgendwas im Netzteil“, das wusste ich, mehr nicht. Außer: „Keine Unterlagen, keine Ahnung“, das gab man mir noch mit auf den Weg.

Nachdem ich ja nun mittlerweile vor dem einen oder anderen R&S Netzteil gesessen habe, dachte ich, das wird schon irgendwie machbar sein (was habe ich mich da geirrt).

Bestandsaufnahme:

Das GerÀt ist vollstÀndig (gut! Was nicht da ist, kann nicht repariert werden).

Das GerĂ€t hat alle verfĂŒgbaren Optionen verbaut (sehr gut!):

B5 – Automatische Tests,

B6 – Nachbarkanal-Leistungsmesser,

B8 – RF-Millivoltmeter und

B9 Duplex-Synthesizer & Modulation-Meter (ist beim CMTA84 serienmĂ€ĂŸig).

Lediglich B12 und 13 fehlen, das sind spezielle Software-Optionen fĂŒr die C-Netz-Simulation und -Analyse, das kann ich verschmerzen (aber nur gerade so 😊 ).

Steckt man das GerÀt ein, leuchtet die Stand-By LED (gut!).

Schaltet man es ein, geht die LED aus, es klickt kurz im GerÀt und die LED geht wieder an. Sonst passiert nichts (nicht gut!).

Dieses Verhalten zeigt, dass das Netzteil einen Fehler detektiert hat und in den Power-Fail-Modus geht. Die Schutzschaltung tut also auf den ersten Blick was sie soll.

Weitere mögliche Fehler im GerĂ€t sind nicht auszumachen, da ohne Strom der CMTA natĂŒrlich gar nichts tut.

Das war 2012, jetzt haben wir 2019. Das sollte einen Vorgeschmack geben, auf das Maß an Sturheit, das hier nötig war. NatĂŒrlich habe ich nicht konstant fast 7 Jahre an dem GerĂ€t gebaut. Aber ĂŒber all die Zeit immer dann und wann mal wieder. Die ganze Geschichte findet sich in diesem Basteltagebuch. Hin und wieder habe ich Jahreszahlen eingestreut, um eine Vorstellung zu vermitteln, was wann passiert ist.

Vorbemerkung: Der CMTA

Der CMTA 54/84/94 stellte damals, Anfang der Neunziger, das oberste Segment der Funkmessplatz-Generation von Rohde und Schwarz dar. Die drei GerÀte unterscheiden sich in den heute relevanten Funktionen nicht:

CMTA 54: Analoger Funk

CMTA 84: Analoger Funk + C-Netz (und internationale Konkurrenten)

CMTA 94: Analoger Funk + GSM (hier sind die Infos sehr vage, kam wohl recht spÀt im Produktzyklus)

Die CMTA-Reihe ist der große Bruder zum recht verbreiteten CMT. Rohde und Schwarz hat die GerĂ€te wie folgt unterschieden (Auszug aus einem Datenblatt):

„GeneraI-purpose radio tester CMT

Its range of measurement facilities makes the CMT ideal for radio testing in production, simple development tasks and in mobile or stationary service. Applications also include maintenance and fast go/nogo testing for incoming inspection.

High-tech radio tester CMTA

CMTA provides radio measurements of the highest quality. It contains all the facilities required for precision measurements. Its unusual variety of measurement capabilities provides exceptional test depth. This means that the CMTA will mainly be used in development, quality assurance, type approval and acceptance testing.”

Dementsprechend findet man CMTs recht oft (werden auch europalettenweise von der Bundeswehr ausgesondert), CMTAs hingegen sind sehr selten.

Ich habe keine Preisinfos (das ist bei R&S ja traditionell alles schwer zu finden), aber ich gehe davon aus, dass die knapp 10 Kilo mehr GerÀt einen stattlichen Aufpreis hatten.

Was kann man mit einem CMTA alles machen? Im Grunde alles. Das ist ein „Funk-Multimeter“.

Kurz zusammengefasst ist es:

  • ein Messender mit weit reichender Eichleitung (Empfindlichkeitsmessung!) und den ĂŒblichen Modulationsarten (AM, FM, PM und auch SSB!)
  • ein LeistungsmessgerĂ€t 5mW bis 50W
  • ein Modulationsmesser (AM, FM, PM)
  • ein FrequenzzĂ€hler
  • ein Audioanalyzer (RMS-Pegel, Klirr, SINAD, Spectrum-Analyzer)
  • ein selektiver Pegelmesser
  • ein Spectrum-Analyzer (sehr rudimentĂ€r!)
  • ein Digital-Oszi (sehr rudimentĂ€r!)
  • ein DTMF-Geber und Auswerter/Zweiton-Messungen
  • komplett duplex-fĂ€hig
  • AnschlĂŒsse fĂŒr URV-Messköpfe
  • 


Alles in einem GerÀt.

Da ich ihn im Netz nirgendwo finden konnte, habe ich die BroschĂŒre (oder Datenblatt, Datasheet) eingescannt und ihr könnt es hier als Download finden:

Erster Akt: Das Netzteil

Nachdem klar war, dass die Reparatur mit dem Netzteil anzufangen ist, gilt es auch hier eine Bestandsaufnahme zu machen. Und hier kommt der erste Schreck: Es fehlen Bauteile auf dem Board!

SpÀtestens jetzt ist ohne Unterlagen nichts mehr zu wollen.

Zum GlĂŒck kann ich zumindest fĂŒr die Netzteilbaugruppe eine Schaltungsbeschreibung mit SchaltplĂ€nen auftreiben.  Die augenscheinlich fehlenden Bauteile (ein paar SMD-Dioden) sind schnell ersetzt. Es wurde aber auch V112 ausgebaut. Der Bezeichner ist passend (da hatte wohl jemand den richtigen Humor), dabei handelt es sich um eine eher rustikale 28V Zener-Diode (BZY93/C30R) im 24V-Zweig. Das ist die letzte Rettungsebene. Wenn die Spannung zu sehr steigt, schließt sie das Netzteil kurz und erzwingt so ein Abschalten, um das GerĂ€t zu retten. Sie ist ausgebaut
 Ohje.

Im Blockschaltbild sieht man, wie das Netzteil im Grunde arbeitet. Alle Spannungen werden von der Überwachungslogik ĂŒberprĂŒft und wenn auch nur eine davon nicht rechtzeitig da ist, knipst diese das gesamte Netzteil aus und geht auf „Power-Fail“.

Wenn man die Unterlagen mal hat, wird schnell klar, dass das Netzteil sehr service-freundlich konstruiert ist. Es gibt diverse Jumper, mit denen die Schutzschaltung deaktiviert und der Leistungszweig vom Netzteil getrennt werden können.

Tut man dies, und schaltet das Netzteil ein, so rennt der Controller los und das Netzteil in Betrieb, allerdings nur bis zu den Treiberstufen. Dann kann man bequem alles durchmessen. Dabei ist das Resultat, dass der Treiberzweig komplett in Ordnung ist und auch die Regelung eigentlich ziemlich genau das tut, was sie soll. Also muss der Fehler weiter hinten liegen.

Trocken geprĂŒft, sind die Leistungshalbleiter okay. Nun mal im Betrieb.

Erstes Resultat: Mit einem leisen Klack, verabschieden sich die Leistungs-FETs V12 und V13 ins Halbleiter-Nirvana. Ups. Beim Ersetzen der FETs sehe ich, da war ich vielleicht nicht der Erste. Laut Handbuch mĂŒssten da BUZ41A verbaut sein, es sind aber tatsĂ€chlich IRF840A eingelötet. Ob das nun ab Werk so war, oder das ein Reparaturversuch gewesen ist, weiß ich leider nicht. Das ist der Nachteil an „verbastelten“ GerĂ€ten. Eine ÜberprĂŒfung der Freilaufdioden ergibt, dass diese auch kaputt sind, ob nun dabei gestorben, oder ob sie die Leistungstransistoren „gerichtet“ haben, ist unbekannt.

Laut Netz soll ein IRF830 (nicht 840) der passende Ersatztyp fĂŒr den BUZ41A sein, also ersetze ich bei der Aktion beide Transistoren durch solche. Damit ist der komplette Leistungszweig einmal mit neuen Halbleitern bestĂŒckt.

Leider lĂ€uft es immer noch nicht rund. Der ZĂŒndkoppler sollte eigentlich ca. 6,5V machen, es kommt aber nur etwas in der GrĂ¶ĂŸenordnung von 1V raus. Nach kurzer Suche stellt sich der Treibertransistor V9 als ÜbeltĂ€ter aus, BE-Schluss. Dieser treibt den Leistungs-FET V13.

Auf dem Foto sieht man auch „schön“ die eigentĂŒmlichen VerĂ€nderungen im Netzteil, warum dieser Draht da eingelötet wurde (und die PCB dafĂŒr so unschön verkratzt) ist mir bis heute unklar.

Außerdem unterwegs noch V11 gefunden, oder zumindest die HĂ€lfte. Ich will sie zum Testen auslöten, da kommt mir bereits eine halbe Diode entgegen:

Das ist die Suppressor-Diode, die V9 schĂŒtzen soll. Es ist in diesem Netzteil wohl von Anfang bis Ende alles einmal „durch“ gegangen.

Nachdem das alles gelöst ist, kommt sogar Strom aus dem Netzteil. Aber so richtig wollen, will es immer noch nicht. Es geht an, die Spannungen kommen fĂŒr ein paar zehntel Sekunden hoch und dann sĂ€uft das Netzteil gleich wieder ab, „Power-Fail“.

Erste Messungen legen den Verdacht nahe, dass das GerĂ€t zu viel Strom zieht, das habe ich auch befĂŒrchtet. Die ausgebaute V112 schwirrt mir da immer noch durch den Kopf. Aber wirklich sicher bin ich mir zu dem Zeitpunkt auch nicht. Schließlich belaste ich ein sicher defektes Netzteil mit einem potentiell defekten GerĂ€t. Wer da nun welchen Einfluss hat, ist immer schwer zu sagen, ich kann ja nicht in einem „eingeschwungenen Zustand“ gemĂŒtlich vor mich hin messen, sondern habe ein GerĂ€t, dass vielleicht eine knappe halbe Sekunde zuckt und dann wieder aus geht.

Das ist der Punkt, an dem ich erst mal die Klamotten in die Ecke werfe und es gut sein lasse.

Zweiter Akt: Das Netzteil

Das Drama zieht sich bis dahin bereits etwa ein halbes Jahr hin. Nach knapp einem Jahr Pause, Anfang 2014, hat mich der CMTA dann wieder gejuckt. Das Netzteil lief ja immer noch nicht richtig. Hier muss also systematisch nochmal alles hinterfragt werden.

Um derartige Experimente nicht am GerĂ€t selbst durchzufĂŒhren, muss eine Dummy-Load her. R&S gibt im Manual Werte an, um eine eben Solche zu bauen. Einmal „minimale Last“ und einmal „maximale Last“ fĂŒr die abschließende Kontrolle. Meine sieht so aus:

Oben maximale Last, unten minimal, links ein Schalter fĂŒr Stand-by

Ja, es nicht so schön wie der PrĂŒfstand, den Marc (http://www.bymm.de/) sich gebaut hat. Sogar fast zeitgleich, wie ich spĂ€ter aus seinem Bericht zum FSEM erfahre. Aber immerhin Ă€hnlich erfolgreich, wie sich letzten Endes herausstellt.

An jeder LED kann man sehen, ob die entsprechende Spannung da ist oder nicht.

Dabei kommt nach einigem Suchen heraus:

Die von mir bestellte und eingebaute V112 ist keine BZY93/C30R, sondern eine BZY93/C30. Das R bedeutet, dass die PolaritĂ€t umgedreht ist. Ich habe also das Netzteil die ganze Zeit unwissentlich kurzgeschlossen. Nach ÜberprĂŒfung ist klar: Ich habe eine C30R bestellt, aber eine C30 bekommen. Ein Jahr spĂ€ter muss ich da aber nicht mehr reklamieren. So ein Mist!

Immerhin heißt das, dass nicht zwangslĂ€ufig ein Kurzschluss im GerĂ€t vorliegen muss.

Pause: Ich ziehe um

Ich wollte den CMTA eigentlich vor dem Umzug (Mitte 2014) fertig bekommen, aber das hat leider nicht geklappt. Also baue ich das defekte GerÀt vollstÀndig zusammen und verpacke ihn. Unnötige Arbeit.

Dritter Akt: Das Netzteil

Mit einer nun „richtig gepolten“ C30R, springt das Netzteil an, ein Erfolg!

Der CMTA gibt Lebenszeichen von sich, bootet aber nicht durch, kein Erfolg!

Auch verhÀlt es sich nach wie vor komisch:

Einschalten, „Power-Fail“, ausschalten.

Einschalten, „Power-Fail“, ausschalten.

Einschalten, „Power-Fail“, ausschalten.

Einschalten, Netzteil springt an!

Das ist der Punkt, an dem ich endgĂŒltig die Nase voll habe, mittlerweile ist es 2015. Ich habe keine Ahnung, warum das Netzteil manchmal startet, manchmal nicht. Es kann sein, dass es irgendwas mit den „Verbastelungen“ zu tun hat: Es wurde an diversen Stellen in der Schutz- und Regelelektronik geprĂŒft, gelötet, gearbeitet.

Wenn das Netzteil anspringt, bootet der CMTA, wie gesagt, immer noch nicht:

Der LĂŒfter lĂ€uft an, es leuchten diverse LEDs und die Display-Beleuchtung auf, sogar der Monitor zeigt etwas an (Testbild – wird vermutlich angezeigt, solange der Video-Controller nicht angesprochen wird). Aber weiter kommt das GerĂ€t nicht.

Zwischenspiel: Der Organspender

Kurz nachdem ich die Lust am Netzteil verloren habe, hat Helmut Singer in Aachen einen CMT52 als „ungeprĂŒft ab Stapel“ im Angebot. Dort schlage ich zu: Ein neues Netzteil und, sollte etwas an meinem GerĂ€t defekt sein, ein Organspender.

Kurze Zeit spĂ€ter trudelt das GerĂ€t bei mir ein. Zusammen mit einer herben EnttĂ€uschung: Obwohl die GerĂ€te Geschwister sind, ist das Netzteil-Modul unterschiedlich. So ein Mist. Der CMT wandert in’s Regal und ich komme nicht weiter.

Ja, richtig, ich habe aufgegeben.

Leise rieselt der Staub auf dieses Projekt. Ich habe endgĂŒltig die Lust am CMTA verloren. Massenhaft Bauteile, viel Zeit, Recherche und dann noch ein nutzloser Organspender waren irgendwann zu viel. Das GerĂ€t wandert zu seinem kleinen Bruder in die Ecke. Bis dann, eines Tages Ende MĂ€rz 2018


Vierter Akt: Das neue Netzteil


ich bei eBay zufÀllig ein Netzteil erblicke. Hoffnung keimt auf, mit einem nachweislich funktionierenden Netzteil-Modul, ist zumindest diese Variable aus dem Weg. 3-2-1-Meins, stecke ich wieder einmal Geld in dieses Projekt.

Das neue Modul ist da, und der CMTA bootet damit
 natĂŒrlich nicht, was denkt ihr denn? 😉

Damit ist auch das Interesse an diesem GerĂ€t wieder da. Aber 2018 ist ein „messtechnisch arbeitsreiches“ Jahr bei mir. Viele neue GerĂ€te halten Einzug, unter anderem ein komplettes HP 8510C 40 GHz VNA-System. Die sind natĂŒrlich auch alle mehr oder weniger defekt und benötigen erst einmal etwas Zuneigung. So bleibt der CMTA in seiner Ecke neben der Werkbank stehen, die er nun seit dem Umzug 2014 bewohnt.

Bis ich dann das erste Mal beim Funkmessplatz in Kassel (https://funkmessplatz.info/) aushelfe, April 2019. Da noch als „Praktikant“ ohne eigenen Messplatz. Es wird aber klar: Ein weiterer, richtiger Messplatz ist sinnvoll, um den Ansturm zu bewĂ€ltigen und ich darf beim Messplatz-Team mitspielen. Nun richtet sich mein Augenmerk wieder auf den CMTA.

FĂŒnfter Akt (Finale): Das CPU-Board

Etwas besorgt bin ich ja schon, ihr erinnert euch an V112, als ich den Messplatz Mitte April 2019 wieder auf den Tisch hieve. Was ich bis jetzt weiß:

Das neue Netzteil funktioniert.

Der CMTA startet, das Scope zeigt ein Testbild, aber er bootet nicht.

Also deutet alles auf einen Fehler in der CPU-Baugruppe oder ihrer Peripherie hin. Sonst wĂŒrde das GerĂ€t ja zumindest irgendetwas tun und sich beim Selbsttest aufhĂ€ngen. Es tut aber gar nichts.

Ich habe keinen Extender fĂŒr die Karten des GerĂ€tes, aber das CPU-Board ist zum GlĂŒck das Hinterste. Baut man das Netzteil aus, hat man Zugang. DafĂŒr hatte ich mir schon vor einiger Zeit entsprechende Kabel aus PC-Stromkabeln hergestellt. R&S nutzt die gleichen Molex-Stecker. Dass ich mir damit selbst ein dickes Ei gelegt habe, weiß ich zu dem Zeitpunkt noch nicht.

Und ich dachte, es sei eine gute Idee

Die erste Maßnahme war das Sichern der EPROMs. Anhand der PrĂŒfnummern gab es zumindest hier Entwarnung: Alle EPROMs haben noch den korrekten Speicherinhalt. Das entspannt ungemein, schließlich bedeutet das auch, dass zumindest nicht alles durch eine Spannungsspitze des Netzteils „gegrillt“ worden sein kann. Die 5V_D werden ohne weitere Regulierung direkt vom Netzteil-Modul geliefert, die EPROMs hĂ€tten also jede Überspannung sofort abbekommen. Es kann also nicht alles tot sein.

Leider habe ich immer noch keine Service-Unterlagen zum CMTA 84. Selbst Fabian Filbert (ex. Rainer-Förtig) hat keine, nur fĂŒr den CMTA 52/54.(*)

(*) Im Nachgang habe ich gesehen, dass sogar die zu meinem GerĂ€t zugehörigen Originalunterlagen zwar auf dem Ordner CMTA 84 stehen haben, aber im Inneren auch “nur“ CMTA 52/54 sind. Mit Ausnahme des extra Ordners fĂŒr die CR-Simulationen: Das ist der Unterschied zwischen einem 54 und einem 84 – Wer also sein C-Netz (oder die internationalen Konkurrenzstandards der pre-GSM-Ära) durchmessen will, braucht einen CMTA 84.

Jetzt kommt mir aber doch der defekte CMT52 zugute: Ich ziehe die CPU-Karte raus und halte beide Karten nebeneinander. Trotz unterschiedlicher Nummer, sind sie hardware-mĂ€ĂŸig 1:1 identisch. Unterlagen vom CMT habe ich, das mĂŒsste also hier gut passen. GlĂŒck gehabt. Und ich kann ihn also doch als Teilespender nutzen.

Links CMT, rechts CMTA

Erste ÜberprĂŒfung an der CPU: Spannung ist ĂŒberall da, der Clock-Generator erzeugt eine 5 MHz Clock aus dem 10 MHz Referenz-Signal. Das ist ĂŒbrigens wichtig zu wissen, wenn man die CPU-Karte testen will: Die Clock wird aus dem 10 MHz OCXO generiert und der sitzt in einer anderen Baugruppe. Die CPU hat keinen eigenen Taktoszillator! Ist das entsprechende SMB-Kabel nicht aufgesteckt, macht die Baugruppe nichts.

Was nicht geht: Kommunikation. Der Bus-Treiber fĂŒr die Fronteinheit mit Tastatur und Display bekommt kein Chip-Select. Es ist also nicht verwunderlich, dass dort nichts angezeigt wird. Seltsam: Manchmal geht die Beleuchtung der Displays an, manchmal nicht. Manchmal leuchten alle LEDs, manchmal nicht. Sehr komisch.

Hier rĂ€cht sich mein VerlĂ€ngerungskabel. Zwei der Leitungen haben statt 0,2 Ohm ĂŒber 1 Ohm Serienwiderstand. Und statt der +5V (Analog), +15V aus dem Netzteil, kommen dann nur noch 3V und 11V auf dem Mainboard an. Ab in den MĂŒll damit, so bringt man sich selbst auf’s Glatteis. Nachdem das VerlĂ€ngerungskabel entfernt ist, ist die Frontplatte (wie zu erwarten) reproduzierbar leer, nichts leuchtet.

Intern passiert aber einiges auf der Karte. Ich habe mir nicht die MĂŒhe gemacht, Datenströme zu analysieren. Ich habe immer nur geprĂŒft, ob auf einem Bus „Party“ ist oder nicht. Diese Info ist fĂŒr mich zunĂ€chst ausreichend.

„Party“ ist auf den Adress- und Datenleitungen. Kein Interrupt klebt hoch. Power-Fail und Reset tun das, was sie sollen.

Aber von den EPROMs werden nur zwei, D12 und D13, angesprochen. Der Rest bekommt kein CS. Das ist sehr eigentĂŒmlich. Ich vermute hier, dass die 1:4 DEMUXe (D7 und D14) defekt sein könnten. Diese de-multiplexen das Signal der CPU in die Chip-Selects der EPROMs und der RAM-Chips. Ich habe jetzt zwei Alternativen: Mit einem Logic-Analyzer zu prĂŒfen, ob der DEMUX nur so angesprochen wird, dass nur zwei der sechs EPROMs CS bekommen
 oder ihn einfach stumpf auszutauschen. Ich entscheide mich fĂŒr Letzteres und pflanze D7 aus dem CMT beim CMTA ein. Keine Änderung. Da ich aus Gewohnheit ICs, die ich tausche, immer in Sockel stecke, kommt das Original wieder zurĂŒck.

In eine weitere Sackgasse stolpere ich bei der Read/Write-Enable-Logik. Hier verhĂ€lt sich ein NOR-Gatter nicht wie Eines (D41 III). NatĂŒrlich erst nachdem ich es ausgetauscht hatte, bemerke ich, dass dort ein Fehler im Schaltplan vorliegt. Ein 74LS32 ist ein OR-Gatter, es ist aber als NOR-Gatter eingezeichnet. Also kommt auch hier der Original-Chip wieder zurĂŒck auf’s Board.

Fehler im Schaltplan

Also nochmal ein Schritt zurĂŒck, es gibt im Manual eine „Trouble-Shooting“-Anleitung, die gehe ich ein weiters Mal durch, vielleicht habe ich ja was ĂŒbersehen (habe ich
. 😊):

+5V und V_BU? Check.

Clock? Check.

X20, X21, X27 (das sind interne Jumper) verbunden? Check.

Power-Fail Ok? V_BU, CSRB, RESET? Che
 Moment! Was ist CSRB?

CSRB ist ein Signal, dass die RAM-Chips, um die Lithium-Batterie zu schonen, in Tiefschlaf versetzt bzw. sie aufweckt, wenn das GerĂ€t eingeschaltet wird. Dieses Signal hatte ich völlig ĂŒbersehen und auch beim ersten Durchgehen der Checkliste nicht bemerkt.

Und tatsÀchlich CSRB bleibt low.

Das Signal wird aus einem RS-Flip-Flop aus zwei NAND-Gattern (D48) erzeugt. Der eine Eingang ist ĂŒber einen Pullup-Widerstand auf 5V gezogen. Ein kleines DIP-Relais (K1) soll den !S Eingang auf GND ziehen und damit wird das Signal high am Flipflop. Es gibt aber keinen Pulldown, also kippt das Flip-Flop auch nicht.

Das Relais wird ĂŒber D43 angesteuert. Dieselbe Schaltung regelt auch das Umschalten von V_Bat auf V_BU fĂŒr das RAM und das funktioniert. Also das Relais ausgebaut und etwas unglĂ€ubig geprĂŒft, schließlich ist das ein Board voller empfindlicher Bauteile und dann soll es ein ganz profanes Relais sein, was ja auch nur einen Schaltzyklus pro Ein/Aus-Schalten sieht, also nicht gerade belastet ist?

Aber ja: Der GND-Pull !R des Flipflops wird weg geschaltet (Pin 1 an K1). Pin 14 wird aber nicht auf GND gezogen, das Relais schaltet also nicht vollstĂ€ndig „durch“. Also K1 aus dem CMT gerupft, kurz getestet (geht!) und rein in den CMTA.

Der ÜbeltĂ€ter?

Immer noch skeptisch (das soll’s jetzt sein? Unmöglich!) schalte ich den CMTA ein. Alle LEDs der Frontplatte leuchten auf, die Eichleitung spielt ein kurzes Schlagzeugsolo und nach wenigen Sekunden erscheint „Selftest“ und dann „CMTA OK“ im Display. YEAAAAAHHHHHHHHHH!

Erfolg! 🙂

Abspann

Nach dem erfolgreichen Selbsttest begrĂŒĂŸt mich der CMTA aber mit „CAL D1 D30“. Ohje, doch etwas kaputt im Analogteil?

Ein kurzer Blick in das Betriebshandbuch verrÀt aber, dass das einfache Kalibrier-Routinen des GerÀtes sind.

D1 ist der Nullabgleich des Power-Meters. Einfach nichts an die Eingangsbuchse anschließen, „D 1 SEPC“ eingeben und drei Sekunden warten, weg ist die Meldung.

D30 ist der Offset-Ausgleich des RMS-Voltmeters. Hierzu soll eine möglichst genaue Spannung von 40 mV (R&S empfiehlt +-0.1%) mit 800 Hz in die „AF Voltmeter“-Buchse eingespeist werden und anschließend „D 30 SPEC“, nach 5 Sekunden ist auch diese Meldung verschwunden.

Das war’s. Fertig. Nach fast sieben Jahren und unendlichem Maße an Frustration hat dieses Projekt ein gutes Ende gefunden. Der CMT ist immer noch hier und ich ĂŒberlege mir, was ich damit mache. Außer ganz weniger (leicht beschaffbarer) Komponenten fehlen ihm ja keine Teile. Er ist eben auch defekt. Als Teilespender bleibt er in jedem Fall erst mal erhalten. Genauso, wie das originale, „verbastelte“ Netzteil.

Was lernen wir? HartnÀckigkeit kann sich auszahlen.

Prost!

Der Kurzfilm nach dem Abspann

Beim Testen fiel mir auf, dass der RF Spectrum-Analyzer stocktaub ist. Großer Schreck!

Laut Blockschaltbild kann aber nicht der Mischer kaputt sein, es ist fĂŒr alles der Gleiche. Dann wĂ€re das GerĂ€t immer taub und unbrauchbar. Lediglich eine andere Eichleitung wird benutzt, die 0/10/20/30dB Eichleitung statt des VGA, der fĂŒr alle anderen Messfunktionen genutzt wird. Dort waren zwei Kabel vertauscht, das Eingangssignal ging in’s Nirwana. Nachdem es richtig angeschlossen wurde, geht das jetzt auch. Puh!

Ein kompletter Abgleich steht jetzt an, dieser wird in einem weiteren Beitrag beschrieben.

Jetzt aber endgĂŒltig Prost!

Stilllegen eines Racal-Dana 2101 Microwave Counter

Letztes Jahr habe ich mir einen neuen ZĂ€hler gegönnt. Der war schon lĂ€nger auf der Wunschliste. Es ist ein 2101 der Firma Racal-Dana, die ja fĂŒr FrequenzzĂ€hler durchaus bekannt ist. Durch ein großes GlĂŒck bekam ich einen mit der Option 04E, das ist der “Ultra Stability” OCXO, der stabilste Referenzoszillator fĂŒr den 2101. FĂŒr einen ZĂ€hler, der bis ĂŒber 20 GHz messen kann, ist das sehr wĂŒnschenswert.

Um die hohe StabilitĂ€t zu nutzen, sollte der Ofen natĂŒrlich dauerhaft laufen. Intelligenter Weise hat Racal dem GerĂ€t einen harten Netzschalter und eine Standby-Taste verpasst. Das finde ich sehr löblich. Bei vielen GerĂ€ten ist der vermeintlich harte Netzschalter auch nur eine Standby-Taste, fĂŒr die man etwas mehr Muskelkraft benötigt. Ein echtes Abschalten ist entweder gar nicht vorgesehen, oder der Schalter ist unpraktisch auf der RĂŒckseite angebracht.

Leider haben sie dem GerĂ€t einen LĂŒfter der Sorte “ĂŒbler Nervzwerg” verpasst und natĂŒrlich wird dieser nicht im Standby abgeschaltet!

Der LĂŒfter ist vorne auf der linken Seite des GerĂ€tes

SelbstverstĂ€ndlich fĂŒhrte das dazu, dass der ZĂ€hler ein paar Tage im Standby war und mich dann so genervt hat, dass ich ihn komplett abgeschaltet habe. Das ist ja nun nicht im Sinne der Erfinders. So rĂ€cht sich dann auch der OCXO, denn ein TCXO ist zwar bei Weitem nicht so stabil, aber dafĂŒr sofort auf der Sollfrequenz. Ein Ofen muss natĂŒrlich erst mal warm werden. Racal-Dana gibt fĂŒr den 04E-OCXO fĂŒnf Stunden Anheizzeit an! Das ist schon sehr unpraktisch, also habe ich mir ein kleinen Umbau ĂŒberlegt, um die Kiste zum Schweigen zu bringen.

Achtung: Dies ist natĂŒrlich kein autorisierter Umbau! Eventuelle EinflĂŒsse auf Messgenauigkeit und Betriebssicherheit muss jeder fĂŒr sich und sein GerĂ€t abwĂ€gen.

Das Ganze ist jetzt kein technisch hoch anspruchsvoller Bericht. Es dient eher der Dokumentation, dass es (zumindest bei meinem GerĂ€t) problemlos möglich ist, den LĂŒfter still zu legen.

Ausgangssituation

ZunÀchst habe ich mir den Luftstrom angesehen. Dabei fÀllt auf, dass der Strom am Ofenquarz minimal ist. Ist ja auch sinnvoll. Die Luft strömt an der Eingangssektion vorbei in das GerÀt und tritt an den Spannungsreglern wieder aus. Sonst ist das GehÀuse komplett geschlossen.

Luftstrom durch den ZĂ€hler

Wenn man den LĂŒfter nun im Standby stilllegt, ist der kritische Punkt der Netzteilbereich mit den Spannungsreglern. Diese sind an ein KĂŒhlblech an der GehĂ€useseite geschraubt. Etwa da, wo der blaue Pfeil das GehĂ€use verlĂ€sst. Ich habe den ZĂ€hler daher ohne LĂŒfter etwas stehen lassen und die Temperatur kontrolliert. Im Betrieb werden sie merklich warm, aber im Standby nicht einmal “handwarm”. Das ist beruhigend.

Umbau

Baut man den LĂŒfter aus, sieht man die zwei Lötpfosten 7 und 8, an denen der LĂŒfter mit Strom versorgt wird.

LĂŒfter demontiert

Davon habe ich einen abgelötet und einen IRF530N eingebaut. Der FET war gerade greifbar und ist hinreichend ĂŒberdimensioniert. 😉 Den FET habe ich dann an das GehĂ€use geschraubt. Er sitzt jetzt direkt vor dem LĂŒfter, dort ist er gut aufgerĂ€umt und fliegt nicht lose irgendwo rum.

FET an endgĂŒltiger Position

Nach kurzer Suche habe ich eine Spannung gefunden, die im Standby abgeschaltet wird. Hier habe ich ĂŒber einen 12k Widerstand direkt an einen Elko (C46) “angezapft”.

O’zapft is!

Und fertig ist es schon. Funktioniert wunderbar. Im Standby herrscht herrliche Ruhe. Dieser Umbau ist jetzt einige Wochen her und der ZĂ€hler lĂ€uft seitdem. Bedenkliche ErwĂ€rmung oder Ähnliches konnte nicht beobachtet werden. Das GehĂ€use erwĂ€rmt sich gerade so fĂŒhlbar an der Stelle, an der die Regler sitzen und beim OCXO. Aber auch dort entsteht kein derartiger WĂ€rmestau, dass ich einen “Temperaturschock” fĂŒr den Oszillator erwarte, wenn der LĂŒfter anspringt.

Bei der Gelegenheit sollte man gleich dieses Schaffner FN370-2 Filter tauschen, wenn es einem noch nicht hochgegangen ist. Als ich meinen bekommen habe, war schon ein Neues drin. Braune Flecken am GehĂ€use verrieten auch wieso. 🙂

Viel Spaß beim Basteln, 73

Reinigung und Pflege von HF-Steckverbindern

Da ich gerade ein neues, altes Cal-Kit fĂŒr den (ebenfalls neuen, alten) VNA bekommen habe, kam das Thema Reinigung, Pflege und Wartung von hochwertigen HF-Steckverbindern auf meine Tagesordnung. Speziell bei höheren Frequenzen kann eine solide Dreckschicht das Messergebnis schon signifikant beeinflussen. Insbesondere bei empfindlichen Messungen, wie der Reflektion eines recht guten Abschlusswiderstandes, kann der Einfluss gut sichtbar sein.

 

 

 

 

 

 

HF-Stecker haben die Eigenschaft mit der Zeit so eine schwarze Dreckschicht anzusetzen. Woher die genau kommt, ist mir unbekannt, es ist aber irgendwie immer diese schwarze Pampe. Vermutlich ist es Staub, Metallabrieb und Hautfett. Wohl auch ein Grund warum an nicht wenigen Vektor-Netzwerkanalysatoren Handschuhpflicht herrscht.

 

Als Grundlage dieses Artikles kann man die (uralte) Application-Note 326 von HP sehen. Dort gibt es ausfĂŒhrliche Beschreibungen zu einzelnen Steckertypen. Als bestes Reinigungsmittel wird flĂŒssiges Freon (FCKW) empfohlen, damit bewirbt man sich aber nicht gerade als Umweltengel. 🙂

Alternativ wird Isopropanol genannt. Das ist auch meine Wahl: Leicht zu bekommen (auch hochrein), nicht giftig und auch zu Hause hÀndelbar.

Anritsu, der Hersteller meines Cal-Kits, empfiehlt “Denatured Alcohol”, also Brennspiritus. Diese Wahl finde ich persönlich etwas seltsam, denn a) ist Brennspiritus meines Wissens nach etwas aggressiver als Isopropanol und b) enthĂ€lt er irgendwelche Additive zur VergĂ€llung, die dann auf den KontaktflĂ€chen verbleiben oder chemisch reagieren. Ich habe mal gelesen, dass diese Additive auch korrosiv wirken können, weshalb Brennspiritus generell nicht fĂŒr die Reinigung von Elektronik empfohlen sei. An anderer Stelle stand, dass teilweise Aceton mit drin ist, und das will ich nun wirklich nicht an meinen Bauteilen haben. Aceton greift viele Kunststoffe in sehr kurzer Zeit an und die Halterungen der Innenleiter von Steckverbindern mit Luftdielektrikum sind soweit ich weiß nicht aus Teflon. Hier bin ich aber gerne auch fĂŒr Korrekturen zu haben, vielleicht mache ich ja mit Isopropanol auch alles falsch und riskiere SchĂ€den an GerĂ€ten und Bauteilen?!

Hier sieht man einen 3,5 mm Testport meines VNA

In 3,5 mm-GND-KontaktflÀche hat sich dieser dunkle Dreck abgesetzt, dies gilt es zu Reinigen.

Nach einer vorsichtigen Reinigung sieht die KontaktflÀche dann so aus:

Man sieht gut, dass der Dreck recht gut ab gegangen ist und nun das Metall wieder frei liegt.

Nur wie wird sowas gemacht? HP empfiehlt spezielle TĂŒcher und WattestĂ€bchen, die man bei Ihnen kaufen konnte. Die Dinger gibt es bestimmt auch heute noch bei Keysight, nur fĂŒr den Heimbastler zu wohl eher wenig attraktiven Preisen. WattestĂ€bchen hat aber auch hierzulande jeder zu Hause und die Dinger sind netterweise gegen erstaunlich viele Lösemittel resistent. Also eigentlich gut geeignet, aber:

So wird das nichts 🙂

Ich behelfe mir mit einem kleinen Trick, ein WattestÀbchen, ein Zahnstocher und etwas(!) Isopropanol.

Von dem WattestÀbchen wird mit den Fingern ein bisschen was abgezupft.

Hier sollte man Handschuhe tragen, um die Watte nicht beim Hantieren mit Hautfett zu verunreinigen.

Die abgezupfte Watte kann man dann, wie Spagetti mit der Gabel, auf die Spitze des Zahnstochers aufwickeln, zwischen den Fingern etwas drehen zum Verfestigen, und schon hat man sich ein Mini-WattestÀbchen gebaut:

(ZweihĂ€ndig geht’s besser 🙂 )

Ein ganz kleiner Dip ins Isopropanol, die Watte soll nur feucht sein. Ich habe mir mal so eine Pumpflasche gekauft, die ist fĂŒr sowas wirklich praktisch, in der Kappe bildet sich nach einem Pumphub ein kleiner See in den man das WattestĂ€bchen eintunken kann. Kann ich absolut empfehlen, die Dinger kosten nicht die Welt.

Mit dem feuchten WattestÀbchen dann vorsichtig kreisend den Stecker reinigen. Aber höllisch aufpassen nicht den Innenleiter zu verbiegen.

Quillt eine Menge Isopropanol aus der Watte, war es zu viel. Das Beste ist, wenn gar kein Reinigungsmittel in den Stecker eindringt. Erstens könnte das Lösemittel irgendwas beschĂ€digen und zweitens wird der Dreck im Zweifel nur in den Stecker rein gespĂŒlt und bleibt dort fĂŒr immer. Daher wĂŒrde ich auch nie irgendwelche Sprays direkt in den Stecker sprĂŒhen, da rutscht der Dreck auch nur tiefer ins Innere und verursacht letzten Endes nur noch mehr Ärger.

Ich nehme immer den Stecker in die linke Hand und den Zahnstocher in die Rechte und lasse den Zahnstocher dann zwischen den Fingern kreisen. So kann man sehr schön am Rand entlang fahren und rotiert gleichzeitig die Watte.

Wichtig: Den Zahnstocher sehr vorsichtig und gerade einfĂŒhren. Niemals schrĂ€g in den Stecker rein, dann lĂ€uft man Gefahr unabsichtlich den Innenleiter zu verbiegen.

Hier ein Beispiel von der Menge an Dreck, die ich aus einem Satz des Cal-Kits heraus geholt habe. Man sieht, es hat sich gelohnt, da sammelt sich schon einiges an. Die KontaktflĂ€chen sind alle wieder blank. Man sollte dann etwas warten, dass alles Reinigungsmittel sicher rĂŒckstandslos verdunstet ist, bevor man die Plastikkappen wieder aufsteckt.

Die Gewinde außen reinige ich immer mit einem Pinsel und etwas Isopropanol, einfach den Dreck heraus bĂŒrsten. Wie man sieht, verschwindet der schwarze Dreck auch vollstĂ€ndig und die schöne, vergoldete OberflĂ€che kommt wieder zum Vorschein.

Bei keinem der beiden ReinigungsvorgĂ€nge sollte man irgendwie Kraft aufwenden. Es ist eine Aufgabe, die durchaus etwas Geduld erfordert. Aber wenn man sich den Wert eines einzelnen Bauteils mit 3,5 mm/2,92 mm Steckern vergegenwĂ€rtigt (selbst ein einfacher f-f Adapter kostet schnell ĂŒber 50€!), was sind da schon fĂŒnf Minuten mehr oder weniger bei einer Reinigung, die vielleicht einmal im Jahr nötig ist.

Ich hoffe, dass dies fĂŒr den einen oder anderen hilfreich ist.

Bis dahin beste 73.

 

 

Gasableiter im Tektronix 576

Beim AufrĂ€umen sind mir ein paar Gasableiter untergekommen. Diese kleinen, weißen Pillen, die ganz gerne auch mal in Schaltnetzteilen drin sind. Ich bin beileibe kein Experte auf dem Gebiet, aber ich meine, das ist die gröbere Kelle zum MOV, der wieder die gröbere Kelle zur Schutzdiode (Zener) ist. Daher ist ein Überspannungsschutz immer mehrstufig Gasableiter-MOV-Zener. Im Überspannungsfall zĂŒndet erst die Diode, dann der MOV und dann der Gasableiter. Sollte das Unsinn sein, bitte ich um einen Kommentar unten. 🙂

Nun besitze ich ja seit kurzem einen wunderbaren Tektronix 576 Kennlinienschreiber. Dieser ist auch in der Lage ziemlich hohe Spannungen (bis 1500V!) an den PrĂŒfling zu geben und mĂŒsste also locker ausreichen einen solchen Gasableiter kontrolliert durchzuzĂŒnden. Also rein mit dem Teil in den Tek und vorsichtig Gas geben. Und tatsĂ€chlich erkennt man schön die “Kennlinie” des Ableiters.

Einschub: IV-Kennline

Wer noch nie mit einem Kennlinienschreiber zu tun hatte, braucht an dieser Stelle vielleicht ein paar erklĂ€rende Worte. Der Kennlinienschreiber gibt die IV-Kennline eines Bauteils wieder, also Strom ĂŒber Spannung.

Betrachten wir hierzu einmal eine Diode: Eine Diode Leitet wenn sie “vorwĂ€rts” mit Strom versorgt wird und sperrt wenn sie “rĂŒckwĂ€rts” mit Strom versorgt wird. Auf dem Kennlinienschreiber sieht das dann so aus:

Die X-Achse ist die Versorgungsspannung, die Y-Achse ist der Strom. Im Beispiel ist 0V in der Mitte des Monitors.

Anhand der Einstellungen sehen wir, die Versorgungspannung der Diode steigt mit jedem Skalenteiler von links nach rechts um 500 mV. Jeder Skalenteiler in Y-Richtung entspricht einem Strom von 5 mA.

Man sieht hier also von -2,5 V bis etwa 0,25 V passiert nichts, es fließt kein Strom. Ab 0,25 V (also kurz nach der Mitte) aber steigt der Strom sehr schnell an, die typische Diodenkennlinie entsteht. In dem Fall von einer Germaniumdiode.

–Einschub Ende— 🙂

 

ZurĂŒck zu unserem Ableiterchen:

Bis zur ZĂŒndspannung sehen wir keinerlei Stromzunahme. Hier ist die Spannung am EUT bereits auf 200V aufgedreht. Nach Datenblatt soll der Ableiter bei etwa 230V durch zĂŒnden.

Und tatsĂ€chlich, bei ziemlich genau 230V zĂŒndet der Ableiter und fĂ€llt auf eine Brennspannung des Lichtbogens von ca. 75V herunter. Die steile vertikale Line zeigt an, dass der Spannungsfall am Gasableier unabhĂ€ngig vom Strom ist (Impedanz im Arbeitspunkt nahe Null). Das ist auch sinnvoll. Denn das heißt unabhĂ€ngig von der Energiemenge, die in mein GerĂ€t rein kommt, muss ich es (oder die weiteren Schutzstufen) nur so designen, dass es dauerhaft nur die 75V Brennspannung ab kann. Ob da nun 10 mA oder 1A durch den Gasableiter fließt, ist mir egal (okay, irgendwann geht der natĂŒrlich auch kaputt).

Wenn man der Sache ein bisschen mehr Bumms verpasst, kann man den Überschlag auch schön im KeramikgehĂ€use leuchten sehen und anhand der organgenen FĂ€rbung jetzt ĂŒber das Gasgemisch rĂ€tseln.

Das Foto ist etwas hÀsslich, da durch die geschlossene Schutzabdeckung des Tek gemacht.

Ich war mir nicht 100% sicher, ob es den Gasableiter nicht doch irgendwann zerlegt und das wollte ich im Zweifel nicht abbekommen 🙂

Und natĂŒrlich ist da auch Strom drin. Mit einem Kennlinenschreiber wie dem 576 kann man sehr einfach lebensgefĂ€hrliche Spannungen und Ströme erzeugen. Ein solches GerĂ€t sollte immer mit Umsicht genutzt werden.

 

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Reparatur eines HP 11096B

Heute hab ich einen Messkopf repariert, der seit fast 10 Jahren unbeachtet bei mir rum fliegt. Hatte ich damals mit einem Rudel von 10 Tek-Tastköpfen fĂŒr’s Oszi im Paket mitgekauft und dann seitdem Ă€ußerst erfolgreich ignoriert.

Es ist ein HP 11096B, ein HF zu DC Gleichrichterkopf fĂŒr bis zu 30 VRMS (was immerhin etwa 20W sind!).  Der Vorteil dieses Tastkopfes ist, dass man nur einen DC-Wert ablesen muss, der dem Gleichrichtwert des HF-Signals entspricht.

Eine Vergleichsmessung bei 10 MHz zw. dem HP 3400A und dem Testkopf zeigt, dass das Ding wirklich gar nicht mal so ĂŒbel ist. Das DMM ist an der Stelle mit 6,5 Stellen natĂŒrlich völlig Übertrieben, 3 Stellen reichen locker aus. Das ist auch der Charme an dem Tastkopf, man kann selbst mit dem billigsten Voltmeter HF-Leistung messen… Sofern es eine hohe Eingangsimpedanz hat natĂŒrlich.

Laut Spezifikation soll der bis ĂŒber 500 MHz gehen, ist also ein nettes Teil um auch in UKW-GerĂ€ten schnell mal die Treiber-Leistung o.Ă€. zu prĂŒfen. Quasi als einfacheres GegenstĂŒck zum R&S URV5-Z7.

Wenn ihr so einen auf dem Flohmarkt fĂŒr’n Euro oder zwei sehen solltet, ist vielleicht eine Überlegung wert.

Spezifikation

Messbereich: 0,25V bis 30V (ca. 0 dBm bis +42 dBm), 200 VDC Max.

Frequenzverlauf (bei 10 MOhm Last am Tastkopf):

  • +-0.5 dB 100 kHz bis 100 MHz,
  • +- 1,2 dB 100 kHz bis 500 MHz,
  • +- 3dB 10 kHz bis 700 MHz

Unterlagen, wie ĂŒblich auch bei Keysight zu finden: https://www.keysight.com/en/pd-11096B%3Aepsg%3Apro-pn-11096B/rf-probe

Eine kleine Reparatur war nötig…

Er hatte keine Spitze mehr, daher hab ich auf der Drehmaschine eine neue gefertigt. 1 mm Draht angespitzt am Schleifbock und aus Halbzeug (POM? Ich sollte mein Material beschriften… 🙂 ) eine HĂŒlse gemacht: 2,5 mm Außendurchmesser und ein 1mm Loch, 3,5 bis 4 mm LĂ€nge. Da ich keine Körnerspitze oder Ă€hnliches genutzt habe, ist es ein kleiner Kegel geworden. 2,55 mm ganz hinten und 2,47 mm direkt am “Mutter-Material”. Da ich die HĂŒlse in den Messkopf hinein schieben will, ist das gar nicht mal so schlecht.

Der Tastkopf hat im inneren eine Spitze auf die die tatsĂ€chliche Spitze aufgesteckt wird. Als Adapter habe ich den Metalleinsatz eines Pfostensteckers genommen. Nachdem das ganze zusammen geschraubt war, hat die POM-HĂŒlse die neue Tastspitze schön mittig zentriert und gegen das GehĂ€use gestĂŒtzt. So bekommt die Platine im Inneren nicht alles ab. Im Original war da wohl ein richtiger Metalleinsatz drin. Den habe ich nicht, so geht das bestimmt auch.